Kategorien
Impulse

Aktives, einfühlsames empathisches Zuhören!

Wenn wir uns selbst fragen, zu wem wir am liebsten gehen, fallen uns schnell einige Namen ein. Wenn wir uns die Gründe dafür genauer anschauen, sehen wir, dass sie alle eins gemeinsam haben: sie hören uns zu. D.h. wir schätzen und lieben diejenigen, die uns zuhören. Es ist von unschätzbarem Wert, solche Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Kollegen zu haben. Zuhören ist auch ein unschätzbares Geschenk, die wir ihnen und anderen geben können.

Aktives und einfühlsames Zuhören ist etwas, das wir lernen, üben und anwenden können. Es ist wie Lesen, Sprechen, Laufen oder Fahrradfahren. Wollen, Üben und aktiv Anwenden sind die Werkzeuge dazu. Und es ist unabhängig vom Alter, der Umgebung usw.

Gerne schreibe ich in diesem Blog darüber. Das Thema ist ein wichtiger Bestandteil meiner Trainings. Die Wirkung des aktiven einfühlsamen Zuhörens ist v.a. bei der Kommunikation und beim Aufbau und Erhalt einer nachhaltigen Beziehungen sehr wertvoll.

„Den ich glaube fest daran, dass alle Kommunikationskunst der Welt auf Sand gebaut ist, wenn das Fundament des Zuhörens fehlt.“

Anja Niekerken

Der liebe Gott hat uns die notwendigen Werkzeuge dafür gegeben. Bei genauerer Betrachtung sind deren Anzahl das Zeichen dafür, wie wir sie einsetzen sollten. Er hat uns zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, zwei Gehirnhälften, zwei Hände, zwei Füße usw. aber nur einen Mund gegeben. Es ist interessant zu beobachten, wie oft wir unseren Mund einsetzen, obwohl wir davon nur einen haben, und wie oft wir die restlichen (Sinnes-)Organe verwenden, von denen wir zwei haben. Unsere Sinne Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen sind die Werkzeuge für das Zuhören. Wir haben die Werkzeuge und diese können wir durch Übung und Einsatz trainieren und immer mehr die Chancen immer mehr wahrnehmen. Die Chancen, unsere Kommunikation – und damit unsere Wirkung – zu verbessern.

Wir sollten unsere Augen, Ohren, Nasenlöcher, Gehirnhälften und Arme offen halten und alles auf- und wahrnehmen, was der Sprecher uns mitteilen möchte. Und je mehr wir dies trainieren, desto mehr können wir sehen, hören, riechen, verstehen und respektieren.

Unsere beiden Augen geben uns die Möglichkeit, u.a. die Körpersprache des Gesprächspartners genauer wahrzunehmen. Unsere beiden Gehirnhälften sind dazu da, dass wir sowohl die einzelnen Bestandteile der Kommunikation wahrnehmen als auch deren Zusammenhänge. Sie helfen uns, ständig unsere Leitbilder, unsere Werte und unser Gewissen einzubeziehen und das Gehörte — über das akustische Hören hinaus — auch zu verstehen.

Und natürlich können wir unseren Mund öfter für ein Lächeln einsetzen, anstatt ihn ständig nur zum Reden zu verwenden.

Das Motto ist:

„Erst verstehen, dann verstanden werden!“

Stephen R. Covey

Es ist vielleicht die Ungeduld, die uns daran hindert, dem Anderen genügend Zeit zum Reden zu geben. Genügend Zeit, in der wir alle unsere Gedanken zur Seite legen und nur zuhören. Ich garantiere dir, du wirst ebenfalls drankommen und dann wird er/sie dir viel besser zuhören. Ich vergleiche unser Gehrin gerne mit einem Computer-Prozessor. Unser Prozessor sollte beim Zuhören einen und nur einen „Thread“ (Arbeitsauftrag, -ablauf) kennen und zulassen und das ist: zuhören. Wir neigen dazu, bereits nach wenigen Minuten Zuhören, unseren Prozessor eher damit zu beschäftigen, was wir antworten wollen. Oder er ist damit beschäftigt, die Muster zu erkennen und das Gehörte in die uns bereits bekannten Schubladen zu stecken. Schubladen, die uns u.a. daran hindern was vollkommen Neues zu erfahren. Schubladen, die uns hindern, offen und unvoreingenommen jemandem respektvoll und zu 100 Prozent zuzuhören. Schubladen, die unser Wachstum und unseren Erfolg verhindern oder mindestens erschweren. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass unser Prozessor (das Gehirn) heiß läuft und zu ungewollten Reaktionen führt. Reaktionen, bei denen wir uns bei genauer Betrachtung fragen, ob sie wirklich von uns kamen.

„Um zuzuhören brauchen wir Geduld, Offenheit und den Wunsch zu verstehen – hervorragende Charaktereigenschaften“

Stephen R. Covey

Meine Empfehlung: zähle bis 100, wenn du merkst, dass dich deine Ungeduld wieder dazu zwingen möchte, doch jemanden zu unterbrechen und selber etwas zu sagen. Das Zählen ermöglicht es dir, trotzdem voll dabei zu sein und zuzuhören, bevor du deine Meinung kundtust. Und das gibt dir zahlreiche überraschende Erfahrungen, die du nie erwartet hättest. Und diese Erfahrungen motivieren dich, immer mehr zuzuhören. Und auch mal zwei oder dreimal bis 100 zu zählen, wenn mal jemand über seiner Zeit hinaus redet.

Jedes Gespräch, jede Kommunikation braucht Sprecher und Zuhörer. Fehlende Zuhörer sind wie Gespräche, in denen die „Verbindung“ fehlt, so eine Art „Selbstgespräch“. Solche „Verbindungsprobleme“ erlebt jeder von uns in diesen Zeiten. Bei Online-Sitzungen merken wir die Verbindungsprobleme früher oder später. Und wie ist es bei einem persönlichen direkten Gespräch? Die Verbindungsstörungen werden z. B. durch unsere Gedanken verursacht und wir merken es nur, wenn wir aktiv darauf achten. Sonst steht die Bild- und Ton-Verbindung, aber der Empfänger ist gedanklich abwesend oder auf Warte-Position.

Nachfolgende Punkte geben dir weitere Impulse. Impulse, die dich unterstützen, bei deinen nächsten Begegnungen aktiv, einfühlsam und empathisch zuzuhören.

  1. Aktiv:
    Beobachte aktiv deine Gespräche und die Gespräche zwischen den anderen. Breite die Gespräche aktiv vor und nach. Vor allem die Nachbereitung gibt dir die Möglichkeit zu analysieren, wie du deine Rolle als Zuhörer tatsächlich wahrgenommen hast. Und wie du sie zukünftig besser wahrnehmen möchtest.
    Schaffe aktiv den richtigen Rahmen. Achte darauf, dass alle Störungen beseitigt sind. Und wenn eine Störung unvermeidbar ist, dann thematisiere es und triff mit dem Sprecher die notwendigen Maßnahmen.
    Nimm dir aktiv für das Zuhören Zeit oder besser gesagt, für den Sprecher als Mensch. Es geht darum, jemanden zu erleben. Es geht um Zusammenleben, Zusammenarbeiten, Zusammensein. Dafür ist Effektivität gefragt. Hier nur an Effizienz zu denken, ist fehl am Platz. Der angebliche aktuelle Zeitsparanis zahlt jeder später mehrfach zurück. Also nimm dir bewusst Zeit. Und solltest du es eilig haben, dann sage es offen und biete dafür einen anderen Zeitpunkt an. Und erlebe und genieße die Wirkung der Wertschätzung, die dadurch von den anderen wahrgenommen wird. Halte dich erst zurück und genieße das Dasein anderen Menschen mit deinem vollen Dasein. Ich garantiere dir, wenn derjenige sich vollständig wahrgenommen und verstanden fühlt, bekommst Du von ihm genügend Respekt, Offenheit und Zeit, um ihm deine Ideen, Gedanken, Antworten usw. ebenfalls mitzuteilen.
    Und schließlich aktiv heißt der Zuhörer führt den folgenden Zyklus solange durch, bis der Sprecher sich verstanden fühlt: Zuhören, Verstehen, Paraphrasieren, Bestätigung des Sprechers einholen, Zuhören … .
  2. Einfühlsam:
    Nutze alle deine Sinnesorgane und umarme den Sprecher bildlich mit deinen Ohren, deinen Augen, deiner Nase, deinem Herzen und spüre, fühle und erfass ihn selbst, seine Worte, seine Idee, seine Gedanken und sein Dasein.
  3. Empathisch:
    Es ist die Empathie, die uns die Freiheit gibt, etwas zu akzeptieren. Es liegt vollständig an uns, ob wir es auch anwenden und praktizieren. Das ist für mich der Unterschied zwischen Empathie und Sympathie. Sympathie bedeutet, eine Idee für gut finden und sie auch zu praktizieren, umsetzen bzw. jemanden zu folgen. Empathie befreit uns davon und gibt uns die Freiheit. Eine Freiheit, die uns von allen Ängsten befreit, manipuliert zu werden. Eine Freiheit, die uns befähigt, alle Ideen zu akzeptieren und zu respektieren. Eine Freiheit, die uns zu gewünschter Offenheit führt. Offen für andere Ideen, Lösungen und Meinungen. Eine Offenheit, die uns ermöglicht, Empfindungen, Gedanken, Emotionen und Motive des Sprechers wahrzunehmen und zu verstehen. Und damit Zuhören, um zu verstehen statt um zu antworten.

Es ist wunderbar, wie oft wir erstaunliche und überraschende Kenntnisse erlangen, wenn wir aktiver, einfühlsamer und empathischer zuhören. Ich wünsche dir zahlreiche dieser wunderbaren Momente.

Literatur:

  • Anja Niekerken; Das Geheimnis richtigen Zuhörens; Wie Sie erfolgreicher und besser kommunizieren, 2020; Springer Verlag
  • Stephen R. Covey; Die 7 Wege zur Effektivität, Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg. 2012; FranklinCovey.

4 Antworten auf „Aktives, einfühlsames empathisches Zuhören!“

Hey Ali,
das mit dem bis 100…200 oder auch 300 zählen ist eine gute Technik.
Ich habe festgestellt, dass ich viel zählen musste am Anfang, weil ich zwar empathisch, aber ein ungeduldiger Zuhörer bin. Das Witzige dabei ist, dass ich Menschen, die mich unterbrechen, furchtbar finde :-DD.

Es war also viel Zählen angesagt…hättest du allerdings nicht in so ansprechender und buchstäblich „sinnlicher“ Art und Weise beschrieben, wie es sich anfühlt, wenn man den anderen wirklich „erleben“ und „erfühlen“ kann, hätte ich schon sehr schnell aufgehört zu zählen.

Ich war die ganze Zeit sehr neugierig auf das „Geschenk“ ….

Deshalb ist dein Hinweis auf die sich einstellende FREIHEIT ohne Wertung zuhören zu können und das GLÜCK über die pure Anwesenheit des Sprechers so toll!
Es gebietet nicht nur die Höflichkeit und die Wertschätzung des anderen, gut zuzuhören – nein, es ist ein Geschenk an sich selbst, was man sich dadurch macht.

Das hatte ich also nach diversen Zähl-Arien schon erfahren.

Ich habe schließlich heute eine Freundin angerufen, die ich sehr mag, bei der es mir allerdings sehr schwer fällt, lange zuzuhören, da sie sehr detailreich erzählt (im Grunde so wie ich ;-)).
Ich war deshalb schon zu dem Schluss gekommen, dass ich sie einfach nicht mehr anrufe, weil mir diese ihre Ausführungen einfach zu lange dauerten. Obwohl der Inhalt an sich immer bereichernd ist.

Nach meinen vorausgegangenen „Zählerfolgen“ mit anderen Sprechern war ich mir trotzdem nicht sicher, ob ich bei ihr am Ende ein schönes Gefühl durch intensives Zuhören haben würde…ich war sehr skeptisch.

Und wie du schon erahnen kannst: Es war wunderschön :-). Ich musste gar nicht zählen, sondern manchmal schmunzeln, weil ich bei bestimmten Ausführungen dachte, dass ich sie jetzt normalerweise unterbrochen hätte…ich fühlte mich tatsächlich von dem Gewicht befreit, das Gespräch abkürzen oder bewerten zu wollen…es war einfach LEICHT und dadurch konnte ich sie viel besser hören und fühlen.

Ich danke dir sehr herzlich für diese schöne Anleitung zur Wertschätzung des Zuhörens.

Ganz liebe Grüße
Ulli

Hallo liebe Ulli, es freut mich sehr. Vielen lieben Dank, dass du deine Erfahrung mit mir und alle teilst. Es ist eine große Ehre. Danke Dir. Liebe Grüße und auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.