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Man, kein, ohne!

In meinen Trainings stelle ich eine imaginäre Kasse in der Mitte des Raumes auf. Die Teilnehmer*innen müssen – imaginär – einen Euro in diese Kasse werfen, wenn sie das Wort “man” verwenden. Die einzelnen Teilnehmer*innen werden dadurch sensibilisiert und sind meist sehr überrascht, wie oft sie unbewusst “man” verwenden. Sie bekommen imaginär einen Euro aus der Kasse, wenn sie den Satz umformulieren und das Wort “man” durch die gemeinte bzw. geeignete Rolle oder Person ersetzen. Sie erleben, wieviel konkreter und persönlicher ihre Sätze werden, wenn sie das Wort “man” vermeiden. Zusätzlich bekommen sie dadurch weitere Ideen und Impulse und Gedanken, die zu dem eigentlichen Thema beitragen.

Wie ich in meinem Blog “CATS!” (https://blog.akbarian.de/cats/) geschrieben habe, würde ich das Wort “man” gerne aus der deutschen Sprache entfernen. Und natürlich die korrespondierenden Wörter aus den restlichen Sprachen. Die Verwendung von “man” verhindert die direkte und konkrete Benennung des Handelnden. “Man”, also “irgendjemand” statt “Ich”, “Du”, “Er”, “Sie”, “der/die Projektleiter*in”, “die Führungskraft” usw. Zum Beispiel:

  • Man sollte/müsste dies und das erledigen.
  • Man sagt …
  • Wie man weiß …
  • Man kam zu dem Ergebnis, dass …
  • Wenn man darüber nachdenken würde, dann …
  • Man hat …
  • Man soll …

Die Vermeidung von „man“, ist zusätzlich eine Art Respekt sowohl gegenüber den tatsächlichen Akteuren als auch den restlichen Adressaten. Ein Softwareverkäufer nutzte meistens das Wort „man“ in seiner Präsentation bei den Interessenten.

  • „Man hat auch die Funktionalität der Software erweitert.“ (statt z. B. “Unsere Entwickler…”)
  • „Man hat noch dies und jenes für die nächste Version geplant.“ (statt z. B. “Unsere Projektleiter…”)
  • „Wie man sieht …“ (statt z. B. “Wie Sie sehen …”)  

Es ist erstaunlich auf welche weiteren Sichten und Gedanken wir kommen, wenn wir uns daran gewonnen, das Wort “man” durch den konkreten Adressaten zu ersetzen. Damit wissen sowohl wir, “wen” wir meinen, und auch die Adressaten wissen, ob sie gemeint sind und es auch annehmen wollen.

Die Vermeidung von den Wörtern “kein” und “ohne” sind weitere Möglichkeiten, unsere Kommunikation, Konversation und Korrespondenz positiver und konkreter zu gestalten. Die Formel dafür: Schreibe ohne “ohne” und verwende kein “kein”.
Eine einfache Formel mit großer Wirkung. Alleine die Überlegung, wie wir einen Satz umformulieren, um diese Worte zu vermeiden, bringt uns dazu, nachzudenken, was wir tatsächlich sagen oder schreiben bzw. wen wir adressieren wollen. Vielleicht ist es einfacher auszudrucken, was wir nicht wollen, statt was wir konkret wollen. Vielleicht ist es einfacher zu schreiben, was nicht enthalten sein soll, statt konkret aufzulisten, was enthalten sein soll.

Ja, die Konkretisierung braucht am Anfang zusätzliche Überlegungen und Zeit. Diese Investition bringt zahlreichen Nutzen mit sich. Vor allem, sie erhöht die Qualität unserer Kommunikation enorm. Es ist eine Freude, aktiv unsere eigenen Sätze nach diesen Worten zu untersuchen (“scannen”) und sie nochmal zu überarbeiten. Die Freude ist noch großer, wenn wir selbst erleben, dass dies bereits nach kurzer Zeit zu unserer Gewohnheit wird. Eine Gewohnheit, die unsere Konversation bereichert, auch wenn unser Wortschatz jetzt drei Worte weniger enthält. Ja, statt solche Worte aus der Sprache zu entfernen, können wir sie aus unserem Wortschatz entfernen.

Meine Empfehlung:

  1. Besorge dir eine echte Spardose. Jedes Mal, wenn du das Wort “man” in deinem Schreiben oder Reden verwendest, werfe ein Euro rein. Ersetze “man” in deinem Satz durch den konkreten Adressaten. Hinweis: Das Euro bleibt danach trotzdem in der Spardose.

Erlebe und beobachte die Gedanken, die dir bei der Suche nach den konkreten Adressaten bzw. Handelnden kommen. Die Verwendung von „man“ kann zahlreiche Ursachen haben. Vielleicht wolltest du, dass jemand anderes sich dafür verantwortlich fühlt. Oder du willst erst sehen, wer dafür in Frage kommt. Oder du hast eine Behauptung, deren Beweise dir fehlen oder unbekannt sind.

Die Überarbeitung bzw. Umformulierung deiner Sätze führt dazu, dass du bei deiner Kommunikation aufmerksamer bist, deine Sätze konkreter und damit wirksamer werden und du von anderen als authentisch wahrgenommen wirst.

Nebenbei füllt sich die Spardose und du wirst überrascht sein, wie schnell das Geld für den nächsten Urlaub gesammelt ist.

  1. Prüfe deine Sätze – v.a. in deiner Korrespondenz wie E-Mail usw. – nach “ohne” oder “kein”. Formuliere die Sätze um und vermeide diese Worte. Du wirst überrascht sein, welche unerwarteten Gedanken dir diese Umformulierung bringt. Mit der Umformulierung bist du imstande genauer auszudrucken, was du tatsächlich vermitteln möchtest, statt was du nicht(!) möchtest.

Und gerne kannst du auch hier jedes Mal einen Euro in die Spardose werfen. Du wirst erleben, wie deine Kommunikation sukzessive positiver und konkreter wird. Auch wenn du am Anfang vielleicht eine neue Spardose benötigst. Natürlich mit dem Nebeneffekt, dass die Spardose immer weniger abbekommt. Aus meiner Sicht, lieber die Glücksmomente erleben, die du dir und deinen Kommunikationspartner durch deine positiven und konkreten Sätze schenkst. Lieber eine volle Spardose statt leeren und langweiligen Konversationen, die meist auch missverstanden werden können.

Eine Bitte: Vermeide es, diejenigen auf diese Fehler aufmerksam machen, die sehr oft “man” verwenden oder deren Sätze “kein” oder “ohne” enthalten. Vermeide es v.a., sie in Anwesenheit von anderen darauf anzusprechen. Du kannst ihnen Rückfragen stellen, falls ihre Sätze für dich unverständlich sind. Oder wenn du genauer wissen möchtest, wer mit “man” gemeint ist oder womit was getan werden soll, wenn nur “ohne” etwas beschrieben ist (Mehr dazu in meinem Blog: Aktives, einfühlsames empathisches Zuhören! hier: https://blog.akbarian.de/aktiveseinfuehlsamesempathischeszuhoeren/). Gebe Feedback nur, wenn du danach gefragt wirst. (Dazu hoffentlich mehr in einen meiner nächsten Blogs.) Vermeide selbst diese Wörter und sei Vorbild. Anderen werden es nach und nach erfahren, die Vermeidung selbst entscheiden und deren Auswirkungen erleben.

Ich wünsche dir viel Freue und Erfolg bei deiner neuen Tätigkeit als dein eigener persönlicher Lektor bzw. Lektorin. Ich freue mich auf deine Kommentare, Erfahrungen, Ergänzungen und Feedback. Ich danke dir im Voraus dafür.

 

4 Antworten auf „Man, kein, ohne!“

Vielen Dank! Ein wirklich sympathisch formulierter Hinweis auf einen Tatbestand, den ich künftig in den Blick nehmen möchte! Vermutlich ist mir die Verwendung des Wortes „man“ selbst gar nicht bewusst und ich hätte immer gesagt, dass ich es gar nicht oft benutze.
Ich bin gespannt und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!

Toller Blog Beitrag! Finde ich klasse, Ali!
Ab sofort KEINE Nachricht OHNE dass MAN die 3 Worte benutzt ;-))) schon 3 Euro für den Urlaub :-))
Also: ab jetzt JEDE Nachricht VON MIR unter Auslassung der 3 Worte 🙂
Liebe Grüße
Heike

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